Neuheiten Frühjahr/Sommer 2020

Walpurgisnacht

Walburga (eigentlich Valborg, auch Walburg, Waltpurde, Walpurgis, Walpurga, in Frankreich bekannt als Vaubourg, Falbourg, im normannischen Le Perche Gauburge = wehrhafte Burg); (* mutmaßlich um 710 im südenglischen Wes­sex, † mutmaßlich 25. Februar 779, nach anderen Quellen 780 in Heidenheim (Mittelfranken)), war eine in Süddeutschland tätige Missionarin sowie Vorstehe­rin des Benediktinerklosters von Heidenheim. Walburga gilt als die Tochter des westsächsischen christlichen Königs im angelsächsischen Reich, Richard von Wessex, und wird von den meisten Quellen als eine Nichte des HI. Bonifati­us angesehen. Wie Bonifatius war sie als Missionarin der Germanen tätig. Der Umstand, daß sie sich hierbei mit vorchristlichen Glaubensvorstellungen und Bräuchen konfrontiert sah, ihr Name, der Wallburg oder Pfahlburg bedeutet, was auf das Vorhandensein einer solchen auf dem Brocken hindeuten könnte, sowie die Benennung des Festes vom 30. April zum 1. Mai nach ihr, verleitet viele dazu, die Christianisierung eines heidnischen Festes zu vermuten. Dem entgegen steht die Darstellung des Festes als Hexen- und Teufelorgie durch die Kirche. Darüber hinaus verbindet Walpurga und der Termin des Festes erst ihre Heilligsprechung durch Papst Hadrian II. am 1. Mai, vermutlich im Jahre 870, also fast genau hundert Jahre nach ihrem Tod. Die danach einsetzenden Ver­ehrungen der Walburga/Walpurgis waren rein christlicher Natur und fanden vor allem im bereits lange schon christianisierten Rheinland viele Anhänger. Allen­falls die Bekämpfung gegebenenfalls vorhandener, vorchristlicher Frühlingsfeste durch die Anrufung Walburgas am Tag ihrer Heiligsprechung kann sie daher in Verbindung mit dem Fest bringen. Belege für solche Feste finden sich aber erst im späteren Mittelalter und lassen keine gesicherten Rückschlüsse auf frühere Zeiten zu. Beltane Obwohl auch hier keine Belege oder Quellen vorliegen, wird Hohe Maien bzw. die Walpurgisnacht als keltisches Fest „Beltane", abgeleitet vom Irisch-Gälischen Wort „Bealtaine" oder dem Schottisch Gälischen Wort „Bealtuinn", von Neu­heiden gefeiert, u. a. als mystische Vereinigung von „Gott" und „Göttin", Beginn des Wachstums in der Natur, Zunahme der Kraft von Feen und Elfen, Zeit des Chaos, der „wilden Energie", der Liebe und Vereinigung. Viele der Neuheiden begehen Beltane wie die anderen Mondfeste lmbolc (Vollmond des 2. Mondes), Lughnasadh (Schwarzmond des 8. Mondes) und Samhain (Schwarzmond des 11. Mondes) nicht nach dem absoluten Datum, sondern nach dem Mondkalen­der. Danach fällt Beltane nicht auf den 1. Mai, sondern auf den Vollmond des 5. Mondes (5. Vollmond nach dem Julfest). Hier wird einmal die Anlehnung der ,,beweglichen" Feste an die festen Sonnentermine deutlich. Gerade beim Mai­fest hat sich die christlich-germanische Vorgabe des Datums durchgesetzt. Auch die Erforscher „germanischer Religion, Sitten und Gebräuche" des 19. Jahrhunderts verwendeten mehr Phantasie als tatsächliches Wissen zur Beschrei­bung von Brauchtumsfesten. Wilhelm Mannhard1 war ein solcher Wissenschaft­ler, der, anders als viele seiner Kollegen, immerhin versuchte, durch Befragung ein tatsächliches Bild von überliefertem Brauchtum zu erlangen. Mannhardts Ziel war es, die Mythologie vom Verdacht, sie basiere nur auf romantischen Spekulationen, zu befreien und in dem Zeitalter, das sich zunehmend an den exakten Naturwissenschaften orientierte, als eine ernst zu nehmende empiri­sche Wissenschaft zu etablieren. In seinem Denksystem durchbrach er Grimms Wilhelm Mannhardt (vollständiger Name: Wilhelm Emmanuel Johann Mannhardt (* 26. März 1831 in Friedrichstadt a.d. Eider; † 25. Dezember 1880 in Danzig), Volkskundler, Mythologe und Biblio­thekar.